Koi Aufzucht – Vom Laich bis zum Schlüpfen und die Koi Entwicklung der ersten 7 Wochen

Teichbau, Koi und Garten

Koi Aufzucht – Vom Laich bis zum Schlüpfen und die Koi Entwicklung der ersten 7 Wochen

Babykoi

In unseren beiden vorherigen Beiträgen zum Thema Koilaich und Koivermehrung haben wir euch schon die Vorbereitungen auf die Laichzeit ( „Vorbereitungen für die Laichzeit und Aufbau unseres Aufzuchtbeckens“) und alle wichtigen Informationen rund um das Thema Laich und Vermehrung von Koi inkl. toller Bilder und Laichvideos („Laichzeit bei den Koi – Alle wesentlichen Infos zur Vermehrung von Koi“) gezeigt.

Hat man es geschafft, stolzer Besitzer von Koilaich zu sein und möchte daraus etwas Nachwuchs großziehen, dann gibt es dafür einige Tipps, die wir euch in diesem Beitrag nun gerne zeigen wollen. Außerdem werden wir euch hier einige tolle Bilder vom Laich, den ersten geschlüpften Koi, so wie der Entwicklung in den ersten Tagen und Wochen und zeigen.

Koi Laich umsetzen in ein Aufzuchtbecken und ein Aquarium

Nachdem die Koi abgelaicht haben, sollte der Laich schnellstmöglich aus dem Teich entfernt werden. Warum das so ist hatten wir in den vorherigen Beiträgen ausführlich erklärt. Im besten Fall entfernt man also einfach die Laichbürsten und setzt sie in ein Aufzuchtbecken. Wenn man keine Laichbürsten eingesetzt hatte, werden die Koi vermutlich in üppig bepflanzte Bereiche in den Randgebieten des Teichs abgelaicht haben. Genau dies ist auch bei unserer Freundin passiert. Wie im vorherigen Beitrag beschrieben, haben wir uns zwei Eimer mit ein paar Pflanzen voller Laich von unserer Freundin abgeholt und in ein Extra Becken gegeben. Wir haben vorerst dieses kleine Becken*(Werbung) dafür verwendet. Mehr zu dem Becken und dem Aufbau findet ihr in dem vorherigen Beitrag. Das Becken haben wir dann direkt mit einem Hailea Aco 208 mit 6 Belüftersteinen*(Werbung) belüftet. Hier ein Bild vom Becken mit dem frisch eingesetzten Laich:

Unser kleines Aufzuchtbecken für die ersten Wochen

Dann hieß es warten, bis die ersten Koi schlüpfen. Ein paar Bilder vom Laich (auch von den Eiern mit Augen) hatten wir im vorherigen Beitrag schon gezeigt. Deshalb gehen wir in diesem Beitrag nicht mehr groß auf den Laich ein, sondern beschäftigen uns lieber mit den geschlüpften Koi-Larven und deren Entwicklung.

Die ersten Koi Schlüpfen

Das große Warten hatte bei uns nach vier Tagen ein Ende. Im Laufe des vierten Tages häuften sich winzige, ca. 4 mm lange geschlüpfte Koi-Larven, welche sich hauptsächlich an den Außenwänden unseres Aufzuchtbeckens absetzten. Einige hingen natürlich auch in oder unter den Pflanzen, aber die konnten wir natürlich nicht so gut sehen. Hier zwei Bilder von frisch geschlüpften Larven. Links an der Beckenwand und rechts an der Oberfläche zwischen den Pflanzen:

Frisch geschlüpfte Koi Larven

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns überlegt, dass wir zusätzlich ein kleines 60 Liter Aquarium mit ein paar Pflanzen voller Laich bestücken, einfach um die Entwicklung etwas besser fotografisch dokumentieren zu können. Also haben wir einfach parallel zu dem Aufzuchtbecken draußen ein Stück Pflanze voller Laich genommen und in unser 60 Liter Aquarium gepackt. Die Larven scheinen bei uns hauptsächlich an Tag 4 und Tag 5 nach dem Laichen geschlüpft zu sein.

Fütterung und Aufzucht der Koi-Larven

Nach dem Schlüpfen haben die kleinen Koi Larven noch ihren Dottersack von dem sie sich eine kurze Zeit ernähren können. Danach müssen sie aber sofort gefüttert werden. Aufgrund der geringen Größe wird jedoch winziges Futter benötigt. In den ersten Tagen fressen die kleinen Koi-Larven mikroskopisch kleine Lebewesen wie z. B. Rädertierchen oder anderes Zooplankton (falls vorhanden). In unserem Fall enthält das Wasser definitiv viel Zooplankton, was mit den Pflanzen zusammen in das Becken gekommen ist (wir haben es mikroskopisch analysiert). Trotzdem sollte man möglichst schnell beginnen mit kleinstem Lebendfutter wie z. B Artemia Nauplien hinzu zu füttern. Wir haben dazu einen Artemia-Salz Mix*(Werbung) in Wasser angesetzt, um Nauplien heranzuziehen. Diese können täglich mit einem feinen, dafür vorgesehenen Artemia-Sieb*(Werbung) abgefischt und in das Becken zu den Koi gegeben werden. Beides ist im linken Bild unten zu sehen. Falls es jemandem zu aufwendig ist, die Artemia Nauplien selbst aufzuziehen, gibt es eine tolle Alternative dazu. Von JBL gibt es ein Flüssigfutter, welches Artemia Nauplien enthält, das JBL NobilFluid Artemia*(Werbung). Dieses haben wir auch ausprobiert. Auch dieses nehmen die kleinen Koi gut an.

Um die Zeit für den Ansatz der Artemia zu überbrücken haben wir zusätzlich lebende Artemia Nauplien und Daphnien (Wasserflöhe) in einem Zoofachgeschäft gekauft (im Bild rechts unten zu sehen). Die Wasserflöhe sind für den Anfang noch viel zu groß für die kleinen Koi-Larven. Wir haben diese trotzdem schon in das Aufzuchtbecken gegeben, da diese sich in der Zwischenzeit schon fleißig vermehren können und so für zusätzliches Futter für die nächsten Wochen sorgen.

Futter für die frische Koibrut

Zusätzlich haben wir mehrmals täglich gefrorenes rotes Plankton und TetraMin Baby Flockenfutter*(Werbung) in einem kleinen Schluck warmen Leitungswasser aufgelöst und in das Becken gegeben (Bild unten).

Weitere Futtermöglichkeiten für die Babykoi

Wichtig ist, dass den kleinen Koi-Larven wirklich mehrmals täglich Futter gegeben wird, wenn sie nicht im großen Elternteich sind, da diese ständig fressen müssen und in einem Aufzuchtbecken nicht genügend natürlich vorkommende Nahrung finden können.

Entwicklung der Koi von der Larve zum Jungfisch

Die frisch geschlüpften Koi-Larven sind sehr klein. Wie hier in dem folgenden Bild, welches extra mit Lineal zum Vermessen aufgenommen wurde, gut zu sehen ist, beträgt die Größe der frischen Koi-Larven nur ca. 1 mm x 5 mm.

Die winzigen frisch geschlüpften Koi-Larven

Die frisch geschlüpften Koi-Larven ernähren sich die ersten zwei bis drei Tage von ihrem Dottersack. Während dieser Zeit hängen sie meistens in Pflanzen, am Teich- bzw. Beckenrand oder am Grund. Hier ein ganz kurzes Video von einer geschlüpften Larve, welche noch nicht frei schwimmt. Auch den Dottersack kann man hier schön erkennen:

Video einer frisch geschlüpften Koi-Larve

Sobald der Dottersack aufgebraucht ist, beginnen die Larven frei zu schwimmen und schwimmen als erstes an die Oberfläche, um ihre Schwimmblase mit Luft zu füllen (siehe Bild unten):

Die gefüllte Luftblase bei den Babykoi

Auf dem Bild sind die Babykoi allerdings schon 1,5 Wochen alt. Hier ließ sich die Schwimmblase aber einfach viel schöner fotografieren. Sobald die Koi-Larven ihre Schwimmblase mit Luft gefüllt haben und somit auch frei schwimmen, benötigen sie auch dringend genügend Futter! Ab jetzt verbrauchen sie viel Energie für die Bewegung und das Wachstum.

Entwicklung der jungen Koi in den ersten Wochen

Nach 3,5 Wochen waren schon erste Färbungen deutlicher sichtbar. Einige Fische waren eher gelb, einige weiß, manche etwas dunkler. Außerdem haben sich bei einigen Babykoi auch dunkle Flecken gebildet. Wo die Reise hingeht ist hier aber für Laien wie uns noch lange nicht sichtbar. Zu diesem Zeitpunkt ist es für uns somit noch sehr spannend was aus den kleinen für Varietäten werden könnten. Erschwerend hinzu kommt, dass beim Laichvorgang etliche verschiedene Varietäten wie z. B. Shusui, Sanke, Kohaku, Hi Utsuri, Aka Matsuba (und es wurden sicherlich noch welche vergessen) beteiligt waren. Hier ein Bild der kleinen nach 3,5 Wochen, auf welchem die unterschiedlichen Färbungen zu dem Zeitpunkt schon ganz gut zu erkennen sind.

Erste Farbunterschiede bilden sich aus

Sorry für die schlechte Qualität, aber es ist gar nicht so einfach die kleinen Koi so zu fotografieren, dass mehrere gleichzeitig einigermaßen scharf abgebildet werden, da sie ziemlich fix durch die Gegend schwimmen.

Nach ca. zwei bis drei Wochen brauchen die Koi mehr und auch etwas größeres Futter. Wir füttern viel Lebendfutter und auch Frostfutter wie z. B. Artemia, Daphnien und Cyclops. Zusätzlich kann man dann auch beginnen mit etwas größerem Trockenfutter wie z. B. TetraMin Mini Granules*(Werbung) oder speziellem Koi Brutfutter*(Werbung).

Nach 6 Wochen hatten die Babykoi bei uns dann schon eine echte „Fisch-Form“ 🙂 und eine viel deutlichere Färbung (siehe Bild unten). Auch die Rückenflosse ist zu diesem Zeitpunkt schon vollständig entwickelt.

Farb- und Größenunterschiede bei den Babykoi nach 6 Wochen

Obwohl wir ja wie oben bereits erwähnt, nur einen kleinen Eimer mit ein paar Laichpflanzen von unserer Freundin mitgenommen hatten (also nur einen Bruchteil des Laichs), haben sich bisher trotzdem sehr viele und sehr unterschiedliche Koi entwickelt.

Auch in der Größe unterscheiden sich die Koi nach sechs Wochen bereits erheblich. Einige wenige haben bereits eine Größe von 3,5 bis 4 cm, während andere kaum gewachsen zu sein scheinen und lediglich 1,2 cm lang sind. Die meisten unserer Babykoi hatten nach sechs Wochen eine Größe von 1,5 bis 2,5 cm. Hier nun ein kurzes Unterwasservideo, in dem man die Koi auch von der Seite und von vorne sehen kann:

Video der Babykoi im Alter von 6 Wochen

Aber selbst zum jetzigen Zeitpunkt kann man (bzw. wir) noch nicht sagen, welche Varietäten genau sich hier aus den einzelnen Fischen entwickeln werden. Die kleinen Koi werden sich in den nächsten Wochen sicherlich noch stark verändern. Es bleibt also weiterhin spannend 😉

Herausforderungen, Besonderheiten und Schwierigkeiten bei der Koi-Aufzucht

Wenn man sich für die Aufzucht einer Koibrut entscheidet, sollte einem aber unbedingt bewusst sein, dass das mit viel Aufwand und auch Problemen verbunden ist. Man muss also bereit dazu sein, den nötigen Aufwand zu betreiben. Im Folgenden gehen wir auf einige Herausforderungen bei der Koi-Aufzucht ein, damit ihr von vornherein wisst, auf was ihr euch einlasst.

Wasserqualität
Wie in jedem Teich muss das Wasser gefiltert und belüftet werden. Außerdem müssen die Wasserwerte regelmäßig überprüft werden. Je nach Größe des verwendeten Aufzuchtbeckens kann es aufgrund der enormen Anzahl an Jungfischen zu Problemen mit den Wasserwerten kommen, weshalb diese besonders gut im Auge behalten werden müssen und es sollten regelmäßig Wasserwechsel durchgeführt werden.

Fische werden in den Filter gepumpt
Da die sehr jungen Koi noch sehr klein sind kann es je nach verwendetem Ablauf/Filter/Pumpe ohne Schutzmaßnahmen dazu kommen, dass die kleinen Fische im Filter landen. Hier sollten von Anfang an Maßnahmen ergriffen werden um das zu verhindern. Hier kann man z. B. einen Nylonstrumpf über den Ablauf oder die Pumpe ziehen, damit keine Fische mit in den Filter gepumpt werden können.

Fische sterben und sie müssen selektiert werden
Auch bei der besten Pflege wird es in den ersten Wochen aufgrund der natürlichen Auslese zu einigen/vielen toten Fischen kommen. Einige sind einfach zu schwach/unterlegen oder sind ggf. schon mit Verkrüppelungen geboren. Bei einer so großen Anzahl von Jungtieren sind immer einige dabei, die verbogene Wirbelsäulen haben oder fehlende Kiemendeckel. Bei Manchen Fischen fehlen Brustflossen oder die Schwimmblase ist defekt. Das ist ganz normal und wird somit für natürlichen Schwund sorgen. Einige verkrüppelte Fische werden allerdings auch überleben, so dass man selbst dazu in der Lage sein muss, diese Fische auszuselektieren und mit geeigneten Mitteln zu erlösen (also sie z. B. schmerzlos mit Fish Calm*(Werbung) einzuschläfern).

Kannibalismus
Während der Entwicklung in den ersten Wochen kommt es wie oben bereits erwähnt zu Größenunterschieden. Dadurch kann und wird es zu Kannibalismus kommen (es sei denn man selektiert von Anfang an nach Größe und sortiert die Fische in verschiedene Becken). Auch wir haben ab und zu größere Fische dabei gesehen, wie sie sehr kleine gefressen haben.

Wohin mit all dem Nachwuchs?
Als letztes noch ein sehr wichtiger Punkt. Da es bei der Aufzucht von Koibrut wirklich um sehr sehr viele Fische geht, sollte man sich von vornherein Gedanken darüber machen, wo man die ganzen Jungfische später untergebracht bekommt. Kein Teich der Welt kann hunderte, wenn nicht sogar mehr als tausend kleine Koi aufnehmen. Das bedeutet auch, dass man sich früher oder später für eine geringe Anzahl an Koi entscheiden muss, die man selbst behalten möchte und kann. Außerdem muss man sich frühzeitig um Abnehmer und/oder weitere Becken für die weitere Aufzucht kümmern. Denkt daran, dass es wirklich seeeeeeehr viele Fische sein können, die untergebracht werden müssen.

Wir hoffen, dass wir Euch mit diesem Beitrag einen kleinen Einblick in die ersten 6 Wochen der Koiaufzucht und –entwicklung geben konnten. Vielleicht hat Euch dieser Beitrag ja auch bei der Entscheidung geholfen, ob ihr selbst Koi aufziehen wollt ob Euch der Aufwand doch zu hoch ist. Falls Ihr selbst schon Koi aufgezogen habt oder Fragen hierzu habt, lasst gerne einen Kommentar da.

 

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